Reha nach komplexer Knie-OP verläuft planmäßig
Knapp dreieinhalb Monate nach ihrer zweiten Knie-Operation zieht Segel-Olympiasiegerin Lara Vadlau ein Zwischenfazit. Nach einem komplexen Eingriff am rechten Knie arbeitet die 470er-Olympiasiegerin konsequent an ihrem Comeback. Die Rehabilitation verläuft planmäßig, Geduld bleibt jedoch der entscheidende Faktor.

Ausgangslage: Verletzung im Trainingslager
Ende August hatte sich Vadlau im Rahmen eines Trainingslagers in Polen bei einer Krafteinheit verletzt. „Ich habe einen Sprung gemacht, so wie ich ihn schon gefühlte Millionen Mal gemacht habe. Und das Knie ist weggeknickt. Es hat einen ziemlichen Soundeffekt gehabt. Ich habe gedacht, der Boden ist gebrochen. Dabei war es leider mein Knie“, schilderte die 31-jährige Kärntnerin unmittelbar nach dem Vorfall.
Die nach der Rückreise durchgeführte MRT-Untersuchung ergab einen massiven Knorpelschaden im rechten Knie. Anfang September erfolgte die erste Operation bei Sportarzt und Kniespezialist Dr. Jürgen Mandl in Graz. Dabei stellte sich heraus, dass das tatsächliche Ausmaß der Verletzung größer war als bildgebend erkennbar.
Zwei Eingriffe und Knorpelzelltransplantation
Im Zuge der ersten Operation wurden Knorpelzellen entnommen und in einem spezialisierten Laborverfahren in Linz vermehrt. „Der Knorpeldefekt war deutlich größer als im MRT ersichtlich. Man konnte ihn nicht mit einem Standardverfahren abdecken, sondern nur mit einer Knorpelzelltransplantation“, erklärt Vadlau.
Am 13. November folgte der zweite, umfangreiche Eingriff. „Man konnte nicht arthroskopisch arbeiten, sondern musste das Knie komplett öffnen“, so die Olympiasiegerin, die selbst ausgebildete Ärztin ist. Neben der Implantation der gezüchteten Knorpelzellen wurde das vordere Kreuzband rekonstruiert und ein Meniskustransplantat eingesetzt. „Es war im Grunde eine Generalüberholung des Knies.“
Die ersten Tage nach der Operation im Krankenhaus Graz seien herausfordernd gewesen: „Ich kann mit Schmerzen gut umgehen, aber die ersten fünf Tage waren schon nicht ohne.“
Rehabilitationsphase läuft planmäßig
Seitdem steht die strukturierte Rehabilitation im Mittelpunkt. Betreut wird Vadlau von Physiotherapeut Jürgen Maureder im Medizinzentrum Alser Straße (mza) in Wien. Die Abstimmung zwischen Maureder, dem Medical-Team des Österreichischen Segel-Verbands und Operateur Dr. Mandl erfolgt laufend.
„Am Anfang war es ein schmaler Grat“, beschreibt Vadlau die Situation. „Das Knie muss bewegt werden, damit der Meniskus gut einwächst, gleichzeitig darf man es nicht überlasten, damit der Knorpel einheilen kann.“ Die zentrale Botschaft ihres Arztes sei klar gewesen: „Das ist keine Situation, die man beschleunigen kann. Wenn ich zu früh zu viel mache, riskiere ich eine weitere Operation. Das habe ich relativ früh akzeptiert.“
Inzwischen zeigen sich erste Fortschritte. „Vor zwei Wochen habe ich es das erste Mal aufs Rad geschafft. Das war ein echter Durchbruch.“ Die Beweglichkeit liegt aktuell bei rund 100 Grad Beugung. Parallel dazu erfolgt ein behutsamer Muskelaufbau am Ergometer. „Mein rechter Oberschenkel war praktisch nicht mehr existent. Jetzt geht es darum, wieder Substanz aufzubauen.“
Nächste Standortbestimmung im Mai
Eine entscheidende medizinische Kontrolle ist für Mai vorgesehen. „Dann wird per MRT überprüft, wie der Knorpel eingewachsen ist. Erst danach kann man seriös sagen, wie es sportlich weitergeht.“
Bereits vor der zweiten Operation hatte Dr. Mandl von mindestens sechs bis sieben Monaten gesprochen, bis eine vorsichtige sportliche Belastung möglich sei. Ein konkreter Zeitpunkt für die Rückkehr ins Boot lässt sich daher derzeit nicht festlegen. „Es hängt davon ab, wie das Knie heilt. Das kann niemand exakt prognostizieren.“
Teamlösung für Trainingsbetrieb
Um den Trainingsbetrieb aufrechtzuerhalten, wurde gemeinsam mit dem Österreichischen Segel-Verband eine Übergangslösung gefunden. Ein spanischer Trainingspartner unterstützt Vorschoter Niklas Haberl, damit dieser weiterhin Wasserstunden sammeln kann.
„Es ist wichtig, dass Niki im Boot bleibt. An Land kann man viel trainieren, aber Wasserzeit ist durch nichts zu ersetzen“, sagt Vadlau. Der regelmäßige Austausch im Team bleibt aufrecht: „Der Plan ist klar. Wenn ich zurückkomme, wollen wir beide bereit sein.“
Realistischer Blick nach vorne
Vadlau bleibt trotz der langen Rehabilitationsphase realistisch und fokussiert. „Als Sportlerin weiß ich, dass man mit Rückschlägen umgehen muss. Ich kann es nicht ändern. Also geht es darum, nach vorne zu denken und das Bestmögliche daraus zu machen“, hatte sie bereits vor dem zweiten Eingriff betont.
Der Weg zurück in den internationalen Wettkampf bleibt abhängig vom Heilungsverlauf. „Ich habe einen Anspruch an mich selbst. Wenn ich nicht entsprechend vorbereitet bin, macht ein Antreten wenig Sinn.“ Bis zur nächsten medizinischen Standortbestimmung im Mai liegt der Fokus klar auf kontrollierter Rehabilitation. „Es geht so schnell, wie es eben geht“, sagt Vadlau.
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