Croatia 300: Rookie-Boot trotzt anspruchsvollen Bedingungen
300 Seemeilen, sechs junge Segler*innen und ein gemeinsames Ziel: erste Erfahrungen im Offshore-Regattasport sammeln. Bei der Croatia 300/Österreichischen Hochsee-Staatsmeisterschaft ORC Offshore 2026 stellte sich das Rookie-Boot einer besonderen Herausforderung. Starker Jugo, hohe Wellen und eine vorzeitig beendete Wettfahrt machten die Regatta zu einem intensiven Erlebnis für die gesamte Crew.

Mit dem Rookie-Boot möchte der Österreichische Segel-Verband gemeinsam mit dem Yacht Club Austria und In2theBlue jungen Segler*innen den Einstieg in den Offshore-Regattasport ermöglichen. Dabei geht es nicht nur ums Mitsegeln, sondern vor allem darum, selbst Verantwortung zu übernehmen, Neues auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln.
Mit an Bord der Italia 9.98 „Bellissima“ waren die sechs Rookies Ferdi Strümpell (15), Hanna Kaizler (24), Leo Strümpell (14), Sanna Schwetz (20), Severin Brandstötter (20) und Zoe Gumpold (16). Begleitet wurden sie von den beiden Skippern Verena Diethelm und Laurent Kolly, Vize-Präsident des OeSV und zuständig für den Offshore-Bereich.
Traumhafter Auftakt unter Gennaker
Der Startschuss zur Croatia 300 fiel pünktlich am Montag, dem 19. Oktober, um 14 Uhr vor der Insel Gnalic. Bei schönem Westwind machte sich die Flotte auf den Weg Richtung Süden.
Für das Rookie-Boot begann die Regatta nahezu perfekt: Unter Gennaker segelte die „Bellissima“ bei angenehmen Bedingungen durch die Adria. Ein wunderschöner Sonnenuntergang und die gute Stimmung an Bord sorgten für einen gelungenen Auftakt.
Doch schon an der zweiten Bahnmarke bei Murvica wurde deutlich, dass Offshore-Regatten nicht immer ganz nach Plan verlaufen. Das Rookie-Boot geriet in eine ausgedehnte Flaute und verlor dort rund drei Stunden. Nach der Rundung kam wieder etwas Bewegung ins Boot, zunächst allerdings bei weiterhin schwachem Wind.
Jugo, hohe Wellen und 12,9 Knoten Topspeed
Im weiteren Verlauf setzte der Jugo ein und baute sich im Laufe des Tages immer stärker auf. Die Bedingungen änderten sich deutlich: Aus dem zunächst gemütlichen Segeln wurde eine anspruchsvolle Offshore-Regatta.
Die Crew versuchte, mit unterschiedlichen Segelkonfigurationen möglichst schnell voranzukommen. Doch bei mittlerweile 20 Knoten Wind und hoher Welle waren die Bedingungen für die Steuerleute bereits herausfordernd. Auch einige Sonnenschüsse blieben nicht aus.
Schon vor der Rundung des Jabuka nahm der Wind weiter zu, die Wellen wurden immer höher. Laut GPS-Tracking erreichte die „Bellissima“ dabei einen Topspeed von 12,9 Knoten. Für die jungen Crewmitglieder bedeutete das eine steile Lernkurve und Erfahrungen, die man bei einem gewöhnlichen Segeltörn kaum sammeln kann.
Sicherheit und Teamgeist an erster Stelle
Die anspruchsvollen Bedingungen forderten schließlich ihren Tribut: Mehrere Crewmitglieder kämpften mit Seekrankheit. Als der Wind auf dem Weg Richtung Mulo weiter zunahm und zeitweise über 25 Knoten erreichte, entschied sich die Crew, eine kurze Pause einzulegen, damit sich die Betroffenen erholen konnten.
Diese Entscheidung war Teil einer wichtigen Erfahrung für die Rookies: Offshore-Segeln bedeutet nicht nur, schnell zu sein, sondern auch, die eigenen Grenzen und jene der Crew richtig einzuschätzen.
In der Nacht verstärkte sich der Wind noch weiter und übertraf mit 30 bis 40 Knoten schließlich die Prognosen deutlich. Aufgrund der zunehmend schwierigen Wetterbedingungen entschied die Wettfahrtleitung aus Sicherheitsgründen, die Regatta vorzeitig zu beenden.
Kleine Yacht ganz vorne – zahlreiche Aufgaben im Feld
Die außergewöhnlichen Bedingungen spiegelten sich auch in der Ergebnisliste wider. Von den 29 angeführten Yachten konnten nur 17 die Wettfahrt mit einer Platzierung abschließen. Zehn Boote wurden als DNF (nicht ins Ziel gekommen) und zwei als DNC (nicht angetreten) gewertet.
Besonders bemerkenswert: Der Gesamtsieg ging an eine vergleichsweise kleine Yacht. Christof Dittrich vom Union Yacht Club Wörthersee gewann mit der J/109 „Joker“ nach berechneter Zeit die Croatia 300 und damit auch die Österreichische Staatsmeisterschaft im ORC-Offshore-Segeln. Auf den weiteren Podestplätzen folgten Alfred Vorderegger mit der X 4.6 „Emilia“ und Walter Schaschl mit der First 44 „Next“. Das Blaue Band ging an die „Trinity III“ von Peter Schicho. Das Rookie-Boot wurde auf Platz 17 gewertet.
Viel gelernt und Lust auf mehr
Für die Crew des Rookie-Boots stand von Anfang an nicht die Platzierung im Vordergrund. Ziel war es, jungen Menschen einen echten Einblick in den Offshore-Regattasport zu geben – mit allem, was dazugehört. Und genau das ist gelungen.
Die Rookies erlebten das Segeln unter Gennaker, ihre ersten Nachtwachen, anspruchsvolle Segelmanöver, kräftigen Wind und hohe Wellen. Sie lernten, wie wichtig Zusammenarbeit, Aufmerksamkeit und gegenseitige Unterstützung an Bord sind.
Trotz Seekrankheit, wenig Schlaf und schwieriger Bedingungen überwiegen am Ende die positiven Eindrücke. Die Crew ist stolz auf das gemeinsam Erreichte und vor allem darauf, sich dieser Herausforderung gestellt zu haben.
Das Rookie-Boot hat gezeigt, wie wertvoll solche Projekte für den Nachwuchs im Offshore-Segelsport sind. Denn Begeisterung entsteht nicht nur bei Sonnenschein und perfekten Segelbedingungen, sondern oft gerade dann, wenn man gemeinsam schwierige Situationen meistert. Für die sechs Rookies war die Croatia 300 jedenfalls ein Abenteuer, das sie so schnell nicht vergessen werden.
Am liebsten würden sie gleich wieder in See stechen! Deshalb sind sie jetzt auf der Suche nach Crews, bei denen sie weitere Erfahrungen sammeln können – sei es bei Regatten oder bei Überstellungstörns. Wer motivierte junge Segler*innen an Bord mitnehmen möchte, darf sich gerne melden!














