31.08.2026
Spitzensport

Elisa Hartenberger startet Olympiakampagne für Österreich

Elisa Hartenberger hat sich entschlossen, in der ILCA 6-Klasse eine Olympiakampagne für Österreich zu starten. Die 22-Jährige wurde in Kärnten geboren und zog im Alter von sieben Jahren nach Deutschland, wo sie ihre Segelkarriere startete. Im Frühjahr 2026 schloss sich Hartenberger dem Österreichischen Segel-Verband an – mit dem Ziel einer erfolgreichen Qualifikation für die Olympischen Spiele Los Angeles 2028. Die Siebente der diesjährigen „Kieler Woche“ wählte die am 7. September 2026 startenden Weltmeisterschaft vor Dun Laoghaire (Irland) als Kick-Off-Regatta für ihre Olympiakampagne.

© privat

Elisa Hartenberger, Tochter eines Österreichers und einer Deutschen, verbrachte die ersten sieben Jahre ihres Lebens in der Nähe von St. Veit an der Glan in Kärnten. Nach der ersten Klasse Volksschule übersiedelte die Familie – neben Elisa auch ihre Schwestern Lina und Aenna, die ebenfalls im Segelsport aktiv sind – ins deutsche Wismar. Dort fand Hartenberger durch ihre Mutter die Liebe zum Segeln. „Meine Mama hat früher in Schwerin leistungsmäßig gesegelt. Zuerst 470er, dann die Klasse Europe. Sie wollte immer, dass ich auch segle. Am Ossiacher See, der damals ganz in der Nähe von uns war, hat sich das nie ergeben. Mit der Rückkehr nach Deutschland sammelte ich im Yachtclub Wismar meine ersten Wasserstunden“, erzählt sie von ihren Anfängen. Die 22-Jährige saß zunächst im Optimist, schlug dann die „normale Laufbahn in Deutschland“ ein – und segelte auch ein Jahr im Jugendkader des Deutschen Segler-Verbandes. Aktuell steuert sie die olympische Bootsklasse ILCA 6.

Nach Corona übernahm Mama das Training
„Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie konnten wir das Training nicht mehr so absolvieren, wie geplant und dann habe ich einfach die DSV-Kriterien nicht mehr erfüllt“, erinnert sich Hartenberger. Fortan war ihre Mutter die Trainerin und sie bildete eine Trainingsgruppe mit ihren Schwestern. Später übernahm ein Privattrainer die sportliche Leitung. Der Drang, olympisch zu segeln, war aber weiterhin groß – und mit dem Abschluss ihres Bachelorstudiums der Architektur haben sich endgültig ihre Prioritäten verschoben. „Mir war es immer wichtig, dass ich auch eine Ausbildung absolviere. Das habe ich nun geschafft und jetzt will ich voll durchstarten.“

„Ich habe den Willen, weiterzukommen“ 
Wieso nicht für Österreich? Diese Frage stellte sich Hartenberger mit ihrer Familie vor etwa einem Jahr. „Ich habe den Willen, weiterzukommen. Ich will mich für die Olympischen Spiele qualifizieren“, berichtet Hartenberger, die eine österreichische Staatsbürgerschaft besitzt und jüngst einen Reisepass beantragt hat, ehrgeizig. Mit diesem Mindset kontaktierte sie den Österreichischen Segel-Verband – und bei der diesjährigen „Trofeo Princesa Sofia“ vor Palma de Mallorca (Spanien) segelte sie erstmals unter rot-weiß-roter Flagge.

In den weiteren Monaten folgten intensive Gespräche mit den sportlichen Verantwortlichen im OeSV und Stück für Stück wurde nun eine Olympiakampagne aufgesetzt. „Ich will erfolgreich sein. Ich will zu den Olympischen Spielen und ich glaub ganz fest daran, dass ich es schaffen kann. Wenn ich die nächsten zwei Jahre diszipliniert an die Herausforderungen herangehe, alles so durchziehen kann, wie ich mir das vorstelle und wie es auch von mir verlangt wird, dann ist mein großes Ziel auf jeden Fall machbar“, sagt Hartenberger. Im Juni zeigte die geborene Kärntnerin als Siebente der „Kieler Woche“ erstmals auf. Mit der Unterstützung vom Österreichischen Segel-Verband soll es aber in den nächsten Jahren noch weiter hinaufgehen. „Der OeSV hat in den letzten Olympiaden mehrfach bewiesen, dass er erfolgreiche Olympiakampagnen planen, managen und auch ‚vergolden‘ kann. Von diesem Know-how habe ich bereits intensiv profitiert und ich bin sehr froh, so viel Input und Rückhalt für meinen Traum zu bekommen.“

Weltmeisterschaft als Kick-off 
Elisa Hartenbergers erstes Etappenziel ist die am 7. September vor Dun Laoghaire (Irland) startende ILCA 6-Weltmeisterschaft. Im August verbrachte sie bereits neun Segeltage an der Seite der deutschen Julia Büsselberg, die von Olympiasilbermedaillengewinner von Athen 2004 Andreas Geritzer gecoacht wird, im WM-Revier. „Das Training war sehr gut. Ich hatte ab und an schon einige Konkurrentinnen hinter mir. Die Weltmeisterschaft ist natürlich eine ganz andere Nummer. Athletinnen, die zuletzt nicht gesegelt haben, kommen wieder retour – wir sind ein ganz spannendes, interessantes Fleet. Bei Leichtwind habe ich sicherlich das Zeug, in die Goldflotte zu fahren“, stellt Hartenberger fest. Die Titelkämpfe enden für sie am 12. September.

Matthias Schmid, Sportdirektor Österreichischer Segel-Verband: "Wir freuen uns sehr, dass sich Elisa entschieden hat, eine Olympiakampagne für Österreich zu starten. Das zeigt auch, dass der Österreichische Segel-Verband einen sehr guten Ruf genießt – insbesondere darin, Athletinnen und Athleten auf ihrem Weg optimal zu begleiten und ihnen die bestmöglichen Voraussetzungen zu bieten, ihre Ziele zu erreichen. Elisa ist eine sehr konsequente Sportlerin, die genau weiß, was sie will, und es gewohnt ist, selbstständig zu arbeiten. Wenn es ihr in den nächsten Jahren gelingt, sich zu 100 Prozent ihrer Olympiakampagne zu widmen und sie bereit ist, ihren seglerischen Zielen alles unterzuordnen, ist es durchaus vorstellbar, dass eine Qualifikation für 2028 noch möglich ist – auch wenn die Zeit bis dahin natürlich sehr kurz ist. Als Österreichischer Segel-Verband werden wir alles daransetzen, sie mit unserem gesamten Wissen und Know-how bestmöglich bei ihrer Kampagne und der Trainings- und Regattaplanung zu unterstützen."