Fairness beginnt mit Regelkenntnis: WRS-42-Ausbildung bei der ÖJM
Im Rahmen der Österreichischen Jugendmeisterschaft am Attersee stand neben dem sportlichen Geschehen auf dem Wasser auch die Aus- und Weiterbildung der Jury im Mittelpunkt. Acht Teilnehmer*innen absolvierten eine Ausbildung zu WRS 42 – jener Regel, die sich mit unerlaubtem Vortrieb beschäftigt.

Geleitet wurde die Ausbildung von Günter Fossler und Helmut Bonomo. Gemeinsam mit den Teilnehmer*innen bilden sie zugleich die Jury der ÖJM. Das Team wird die Wettfahrten am Wasser insbesondere hinsichtlich möglicher Verstöße gegen WRS 42 beobachten und bei Bedarf Protestanhörungen durchführen.
Wenn Bewegung zum unerlaubten Vortrieb wird
Grundsätzlich darf ein Boot nur durch die Wirkung des Windes auf die Segel und des Wassers auf den Rumpf beziehungsweise durch erlaubte Handlungen der Crew angetrieben werden. WRS 42 regelt, wann Bewegungen wie Pumpen, Schaukeln, Wriggen oder wiederholte Manöver zu einem unerlaubten zusätzlichen Vortrieb führen.
Gerade in leichten oder anspruchsvollen Windbedingungen sind die Grenzen nicht immer leicht zu erkennen. Umso wichtiger ist eine fundierte Ausbildung: Jurymitglieder müssen Bewegungsabläufe genau beurteilen, Situationen richtig einordnen und die Regeln einheitlich anwenden können. Gute Regelkenntnis schafft dabei nicht nur Sicherheit für die Jury, sondern auch Nachvollziehbarkeit für die Athlet*innen.
Gleiche Bedingungen für alle
Sportliche Fairness ist die Grundlage jedes glaubwürdigen Wettbewerbs. Eine Regatta soll durch seglerisches Können, taktische Entscheidungen und den richtigen Umgang mit Wind und Material entschieden werden – nicht durch unerlaubte Formen des Vortriebs.
Für die Athlet*innen bedeutet eine kompetente Jury, dass ihre Leistungen geschützt und Regelverstöße konsequent beurteilt werden. Gleichzeitig braucht es Augenmaß: Nicht jede Bewegung des Bootes ist automatisch verboten. Gerade deshalb sind Erfahrung, laufende Weiterbildung und eine möglichst einheitliche Auslegung der Regeln entscheidend.
Auch für die Jury selbst ist eine solide Ausbildung wichtig. Entscheidungen müssen unter Zeitdruck getroffen, klar begründet und im Rahmen einer Anhörung verständlich erklärt werden können. Je besser die Verantwortlichen vorbereitet sind, desto größer sind das Vertrauen und die Akzeptanz bei Seglerinnen, Trainerinnen und Eltern.
Ausbildung als Beitrag zur Sportkultur
Der Österreichische Segel-Verband setzt gezielt auf die Aus- und Weiterbildung seiner Funktionär*innen und Jurymitglieder. Denn faire Wettfahrten entstehen nicht erst bei einer Protestanhörung: Sie beginnen mit gut ausgebildeten Verantwortlichen, klar kommunizierten Regeln und dem gemeinsamen Verständnis, dass sportlicher Erfolg und Fair Play untrennbar zusammengehören.
Besonders im Nachwuchssport ist diese Haltung von großer Bedeutung. Junge Segler*innen sollen früh lernen, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, Entscheidungen zu respektieren und den Wettkampf innerhalb klarer Regeln auszutragen. Die WRS-42-Ausbildung im Rahmen der ÖJM ist daher weit mehr als reine Regelkunde – sie ist ein wichtiger Beitrag zu Qualität, Fairness und einer starken Segelsportkultur.
Die aktuellen Wettfahrtregeln 2025–2028 sowie ergänzende Unterlagen zu Regel 42 stellt World Sailing zur Verfügung.



