Herr der Winde: Wie Olympiasieger Bontus das Revier für LA28 entschlüsselt
Der Olympiasieger startet die Mission Olympia-Gold 2.0! Zwei Jahre vor Beginn der Olympischen Spiele Los Angeles 2028 testet Valentin Bontus das Kite-Revier in Long Beach. Die ersten Eindrücke nach sieben Trainingstagen sind „super-positiv“ und machen Lust auf mehr. Bei der zum Sailing Grand Slam zählenden Olympic Classes Regatta am Belmont Shore (13. bis 16. Juli 2026) gibt es das erste vor-olympische Kräftemessen.

Frankreich, Spanien, England, Argentinien. Mbappe, Yamal, Kane, Messi. Ganz Amerika (und die Welt) steht im Zeichen der Fußball-WM! Ganz Amerika? In Long Beach dreht sich dieser Tage alles um die Formula Kite. Die besten Racer der Welt sind nach Kalifornien gekommen, um sich mit den Bedingungen in der rund 30 Autominuten südlich von L.A. gelegenen Hafenstadt vertraut zu machen. „Von der Fußball-Weltmeisterschaft bekommt man hier relativ wenig mit. Und für uns sind die Anstoßzeiten mit 13 Uhr recht ungünstig, weil wir da eigentlich immer am Wasser sind“, lacht Valentin Bontus.
Das liegt in erster Linie daran, dass es in der Früh keinen Wind gibt, dieser erst ab Mittag auffrischt. Und das beinahe täglich. „Wir hatten bis dato nie das Problem, dass zu wenig Wind war.“ Ein kleines Fragezeichen ist, wie die vier Ölbohrinseln den Wind in der Bucht beeinflussen – und damit die schnellste Linie. „Das wird ein Punkt sein, den wir austüfteln müssen. Aber unsere Meteorologin war mit und hat viele Daten gesammelt“, so Bontus, der auch schon mit der hiesigen Tierwelt Kontakt hatte.
Die Robben staunten nicht schlecht, als der Niederösterreicher mit 60 km/h und mehr an ihrer bevorzugten Chill-Boje vorbeiraste. Der Belmont Shore ist zudem auch für seine Stachelrochen bekannt. Dass in der Gegend regelmäßig weiße Haie gesichtet werden, macht Bontus, der sich vor zwei Jahren ganz in Weiß Olympia-Gold geschnappt hat, nicht nervös. „Die Locals haben Entwarnung gegeben, sind diesbezüglich sehr entspannt“, erzählt der 25-Jährige, der dieser Tage einen roten Rennanzug testet.
Und auch sonst wird viel getüftelt und probiert, begonnen bei den Schirmen über den Schliff am Foil – äquivalent zum Wachs beim Rennski – bis hin zur Ernährung. ÖOC-Ausstatter Peeroton hat den Olympiasieger mit Riegeln, Gels und Vitamin-Drinks versorgt, um auch im Bereich der Energieversorgung und Regeneration am Tag X die Leistung auf das Maximum zu heben.
Trainingsgemeinschaft für Heimvorteil
Dank der Trainingsgemeinschaft mit dem US-Amerikaner Noah Runciman hat der OeSV-Athlet sogar schon etwas Heimvorteil im Olympia-Revier. „Durch Noah ist vieles einfacher – von der Logistik über die Infrastruktur bis zu den Kontakten vor Ort. Zudem ist der Austausch mit ihm und seinem Trainer unkompliziert und gibt uns zusätzliche Einblicke, die wir sonst vielleicht nicht hätten. Das ist ein riesengroßer Vorteil!“ Und auch auf dem Wasser zahlt sich die Zusammenarbeit aus. „Das gemeinsame Training ist auf einem extrem hohen Niveau, wir pushen uns gegenseitig.“
Bei der Montagnacht (MESZ) beginnenden Long Beach Olympic Classes Regatta, dem ersten Olympia-Härtetest, fahren sie nun gegeneinander. Los geht’s in der Nacht auf Dienstag, die Medaillen werden Freitagnacht vergeben. Bontus: „Oberstes Ziel ist es, so viele Schlüsse wie möglich zu ziehen – und natürlich will ich ganz vorne mitfahren. Zunächst einmal gilt es, in die Medal Series zu kommen und dort kann dann alles passieren.“ Mit Ausnahme eines brasilianischen Top-Riders sind alle da, darunter das komplette Olympia-Podium von Marseille 2024 und die schnellsten Kiter der letzten beiden Jahre.
„Man spürt unter den Athleten, dass wir Halbzeit am Weg zu den Olympischen Spielen haben. Es ist ein spezielles Gefühl, jetzt schon im olympischen Revier zu fahren. Wir wollen alle Gas geben und abliefern. Man merkt aber auch, dass der Druck steigt, mittlerweile gibt es auch im Training enge Situationen am Wasser. Da muss man aufpassen, dass man es nicht übertreibt“, lässt sich Bontus nicht davon stressen, dass es „nur“ noch zwei Jahre bis LA28 sind.
Im Gegenteil: „Ich sauge diese Momente auf, habe jetzt schon viele mega-coole Eindrücke gesammelt und genieße es, dass ich diese Reise noch einmal erleben darf.“ Und deshalb geht es nach der Regatta nicht gleich wieder nach Hause, sondern mit einem elektrischen Kia EV9 auf einen Roadtrip von Long Beach nach San Francisco – mit Zwischenstopps in Downtown LA, am Venice Beach, in Santa Monica, Malibu oder Big Sur. Auf dem weltberühmten Highway Number 1 nimmt die Mission Olympia-Gold 2.0 dann so richtig Fahrt auf …



