16.06.2026
Breitensport

Training & Schwerpunktregatta der Flying Dutchman Klasse am Traunsee

ÖSTERREICHISCHE FLYING-DUTCHMAN-KLASSE Operation Oberwind Wie der Traunsee eine ganze FD-Flotte zum Frühaufstehen überredete Vier Tage Wetter-Achterbahn, ein Topcoach mit Stoppuhr und ein Frühwind als Hauptdarsteller: Die Österreichische Flying-Dutchman-Klasse hat am Traunsee trainiert und Regatta gesegelt – zu Gast beim Segelclub Altmünster (SCA). Wer Beständigkeit suchte, war falsch. Wer Geschichten wollte, goldrichtig.

Kurze Wettervorhersage fürs Wochenende? Eigentlich nur: ja. Sonne ja, Regen ja, Gewitter ja, Flaute ja, Wind ja – der Traunsee holte alles aus dem Sortiment, gern auch alles am selben Tag. Der heimliche Star trug am Ende trotzdem keine Segelnummer. Er hieß Oberwind.

Der Trainer: Theorie am Beamer, Tempo am Wasser

Den Takt gab Philipp Zingerle vor – Spitzen-FD-Segler und ausgebildeter Segeltrainer in Personalunion. Übersetzt: einer, der bei Starkwind nicht ins Schwitzen kommt und danach trotzdem die Nerven behält, wenn er dir zum dritten Mal denselben Trimmfehler erklärt. 
Auf dem Lehrplan: Grundtrimm und die ewige FD-Trilogie Starten, Stehen, Anfahren. Einen Flying Dutchman an der Startlinie auf der Stelle zu halten, ist ungefähr so leicht, wie eine übermütige Katze zum Stillsitzen zu überreden: Das Boot will vorwärts, der Segler will warten – und der Wind hält sich aus Prinzip an keine Absprachen.

Zwischendurch eine Übung, die jede Crew demütig macht: Steuern komplett ohne Ruder, nur über Gewicht und Trimm. Wer geglaubt hatte, ein FD brauche zwingend eine Pinne, wurde freundlich eines Besseren belehrt.

Der Abend der Wahrheit 

Den größten Knalleffekt lieferte die Videoanalyse am Abend. Und die Kamera, dieser unbestechliche Petzer, zeigte schonungslos: Der Grundtrimm saß bei den meisten noch lange nicht. Das Genua-Achterliek? Bei einigen offen wie ein Scheunentor. Und die Mutter aller Baustellen – Boot flach halten und die Segel trotzdem dicht, ausgerechnet im böigen Starkwind – wurde per Beweisfoto zur Hausaufgabe erklärt.

Mit Wirkung: Schon am nächsten Tag fiel das Trainer-Urteil deutlich gnädiger aus. Segel dicht, Boote aufrecht, sichtbar mehr Speed. Ein Leistungssprung über Nacht – selten hat ein peinliches Video so schnell so viel bewegt.

Wetterdrama mit Plot-Twist

Tag eins lieferte Bilderbuchwind: Nordost, der sich nachmittags auf herrliche 20 Knoten hochschraubte – Schluss mit gemütlich, jetzt zählte festhalten und liefern. Tag zwei begann mit Regen und exakt null Knoten, also Hirn statt Pinne. Doch der Traunsee liebt Plot-Twists: Am Nachmittag brach die Sonne durch, ein traumhafter Südwind stellte sich ein, und plötzlich flog die Flotte direkt unter den steilen Wänden von Traunstein und kleinem Schönberg dahin. Kulisse: Kino.

Frühschicht für Fortgeschrittene

Dann die eigentliche Regatta – und der Wettergott in Sparlaune. Am Samstag musste die erste Wettfahrt von Altmünster Richtung Gmunden bei leichtem Nordwind nach einer Runde wegen abflauendem Wind abgebrochen werden; eine gültige Wettfahrt kam nicht zustande. Weil Sonntag laut Prognose genauso zäh werden sollte, zog die Wettfahrtleitung um Hermann Deimling den Joker: Start 6:15 Uhr in der Früh, ans Ostufer. Eine Regatta für Lerchen statt Eulen. Klang verwegen, war genial. Denn während es im Club noch komplett windstill war, stand draußen Richtung Traunstein wie auf Kommando ein prächtiger Oberwind mit Schaumkronen und Welle. Kein Hexenwerk, sondern Geografie mit Charakter: Dieser südliche, katabatische Frühwind wird zwischen Traunstein und Sonnstein wie durch eine Düse beschleunigt, während es am Nordwestende bei Altmünster oft noch windstill bleibt. Eigentlich braucht er eine klare Schönwetternacht – die gab es diesmal nicht. Er kam einfach trotzdem. Manche Diven halten sich eben nicht ans Drehbuch.

Die erste, frühe Wettfahrt schnappte sich das Team um Frühaufsteher MichiDorrer und Trainer Philipp Zingerle (GER 45). Wettfahrt zwei wurde nach zwei Runden gestoppt, als eine Regenwolke Westwind schickte und der Oberwind beleidigt Pause machte. Zu Mittag dann Aufklarung, Sonne und eine feine Südwind-Wettfahrt bei leichtem Wind. Bilanz: erstaunlich viel Segeln für einen Tag, der frühmorgens nach „zurück ins Bett“ aussah.

Die Ergebnisse

Den Gesamtsieg holte AUT 20, Jacob Holzinger / Paul Srienz (UYCT / SC AMS), vor GER 45, Dorrer/Zingerle (NYCE / SCTWV) und GER 898, Böhm/Lingl (YCW). Bestes Team des gastgebenden SCA: AUT 8, Strittmatter/Stampfl (AGS / SCA) auf Rang vier, knapp vor AUT 37, Mastnak/Hamminger (SCA). Neun FD-Teams waren am Start.

Pl.Segelnr.CrewClubs (St./Vs.)

Pkt.

1AUT 20Holzinger / SrienzUYCT / SC AMS

3

2GER 45Dorrer / ZingerleNYCE / SCTWV

4

3GER 898Böhm / LinglYCW / YCW

8

4AUT 8Strittmatter / StampflAGS / SCA

8

5AUT 37Mastnak / HammingerSCA / SCA

9

6AUT 25Holzinger / BodischUYCT / UYCT

10

7AUT 415Pichler / PichlerOeSV / OeSV

16

8AUT 42Hampl / KrammerSC AMS / SC AMS

16

9AUT 15Ulrich / UlrichSCK / OeSV

17

Die wahren Helden tragen Stirnlampe

Tiefe Verbeugung vor dem Segelclub Altmünster, den Regattahelferinnen und -helfern. Manche kurvten rund eine Stunde durch die Nacht, um vor Sonnenaufgang einsatzbereit am Wasser zu stehen – nur damit andere ihre Oberwind-Partie segeln durften. Wer freiwillig zu dieser Stunde Bahnmarken setzt, gehört aufs Podest. Mindestens.

Unterm Strich ein Wochenende mit Lerneffekt, Wetterdrama und einem Frühwind mit Hauptrollen-Ambitionen. Vor allem das Training war ein echtes Highlight – so gut, dass schon überlegt wird, es nächstes Jahr noch größer aufzuziehen. Der Traunsee bleibt eben der Traunsee: steile Berge, launisches Wetter und ein Oberwind, der genau im richtigen Moment auftaucht – gerade dann, wenn keiner mehr an ihn glaubt. Man kommt wieder. Und stellt den Wecker. Auf unanständig früh.

Danke an sailfd.at und den Segelclub Altmünster
Bericht: Philipp Stampfl AUT 8 

Fotos Helmut Andl SCA: https://www.flickr.com/photos/194034389@N02/albums/72177720334066712/

Fotos sailfd.at FD-SCA_2026

Bunte Spinnaker auf dem Vorwindkurs – die FD-Flotte vor der Gmundner Kulisse., Foto: Helmut Andl, SCA
Wetter-Achterbahn am Traunsee: Nach dem Schauer spannt sich ein Regenbogen über den wolkenverhangenen Traunstein. Foto: sailfd.at
Der Abend der Wahrheit: gemeinsame Videoanalyse mit Trainer Philipp Zingerle. Foto: sailfd.at
Voller Einsatz im Trapez direkt unter der Felswand des Traunsteins (und das fast aufrecht) Foto: sailfd.at
„Oberwindpartie“ am frühen Morgen: hart am Trapez, Gischt inklusive. Foto: Helmut Andl, SCA
Der Gesamtsieger: AUT 20, Jacob Holzinger / Paul Srienz, vor der Traunstein-Kulisse. Foto: sailfd.at
Das Helfer- und Wettfahrtleiterteam des SCA mit den Siegerpreisen im Clubhaus. Foto: Helmut Andl, SCA